February Favorites

February FavoritesWas mir in diesem Monat am meisten fehlt, ist die Sonne. So geht es mir eigentlich jedes Jahr. Am Anfang freue ich mich wochenlang über den Schnee, die Kälte, dass es schnell dunkel wird. Und irgendwann nervt es mich. Denn ohne die Sonne im Gesicht werde ich unleidlich. Damit das nicht zum Gesellschaftsproblem wird, lese ich einfach.

Diesen Monat stehen in meinem Regal vier Bücher.

The Help, Kathryn Stockett:

Das Buch handelt von drei Frauen und spielt in den 1960er-Jahren in Jackson, Mississippi. Aibileen und Minny sind zwei schwarze Haushälterinnen, Skeeter ist eine junge, weiße Frau. Das Gefühl, nicht richtig dazuzugehören zu den 20-jährigen fröhlichen Desperate Housewives, begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Und in Wahrheit will sie auch nicht dazugehören. Die Verlogenheit ihrer Zickenclique geht ihr auf die Nerven. Deren Umgang mit den schwarzen Hausangestellten noch mehr. Ich habe amerikanische Kulturgeschichte studiert. Die USA fand ich schon immer faszinierend und abstoßend zugleich, das hat sich auch nach meinem Studium nicht geändert. Die Rassendiskrimnierung und -trennung sind Themen, die mich sehr berühren und interessieren. Ohne hier jetzt ausschweifen zu wollen: Ich finde sie geradezu bespielhaft für Entwicklungen, die auch um mich herum stattfinden. In den 60ern hat sich viel bewegt in Sachen Bürgerrechte in den USA. Das lag an einer sehr guten Vorbereitung der Proteste, der Vernetzung der Beteiligten und auch an dem Überdruß, den die Menschen fühlten. Das alles sind Themen in The Help. Ich hab das Buch auf Englisch gelesen. Obwohl es teilweise umgangssprachlich ist, kann man den Figuren trotzdem folgen. Das ist eines der Bücher, die ich irgendwann nicht mehr aus der Hand legen konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht. Das Buch ist ja 2011 verfilmt worden. Octavia Spencer, die Minny spielt, hat dafür einen Oscar bekommen. Ich hab den Film noch nicht angeschaut, weil ich irgendwie Angst habe, dass hier zugunsten einer Hollywood-Liebesgeschichte die viel skandalöseren Themen ausgelassen werden….

Grace A Memoir, Grace Coddington:

Grace Coddington ist eine begnadete Sylistin und Creative Director der amerikanische Vogue. Ins öffentliche Bewusstsein ist sie erst 2009 getreten, als ein Fernsehteam die Redaktion der Vogue bei der Vorbereitung zur wichtigsten Ausgabe des Jahres, der September Issue, begleitete. Die Frau mit den roten Haarschopf und dem starken Willen ist mir damals sehr positiv aufgefallen. Eine Frau, die sich traut, sie selbst zu sein und für ihre Ideen zu kämpfen – und trotzdem emotional ist. Sehr sympathisch. Grace Coddington hat ein unglaubliches Gespür dafür, welche Materialien man kombinieren kann, und wie man Mode inszeniert, so dass der Charakter der Kleidung mit dem des Models und des Fotografen verschmilzt. Ihre Memoiren habe ich noch nicht ganz fertig gelesen. Aber ich kann das Buch nur empfehlen – auch wegen der schönen Zeichnungen von Grace und der zahlreichen Fotografien ihrer liebsten Fotostrecken. Übrigens: Grace Thirty Years of Fashion at Vogue würde mich auch interessieren. Leider habe ich keine 4000 $, um mir das Buch zu kaufen. Auf der anderen Seite müsste ich das Buch dann wohl eher in den Safe legen, als es in die Hand zu nehmen.

Für immer Coco. Facetten einer Ikone, Catherine de Montalembert:

Ach Coco. Sie gehört definitiv zu den Frauen, die ich gerne mal kennengelernt hätte. Auch so eine, die zu sich selbst gestanden ist, auch wenn sie dafür erstmal zahlen musste. Ich hab schon eine Biografie über Gabrielle Chanel gelesen. Ich finde es faszinierend, wie sie die Mode emanzipiert hat. Obwohl ihr Frauenbild, glaube ich, nicht von allen Kundinnen verstanden worden ist. Aber das macht ja nichts.  Das Buch hat schöne Bilder. Es liefert zwar keine neuen Ansichten, aber vertieft einige Thesen sehr anschaulich.

Hollywood Costume, Deborah Nadoolman Landis:

Hollywood Costume

Hollywood Costume hieß eine Ausstellung, die im vergangenen Jahr im Victoria & Albert Museum in London gezeigt wurde. Wenn ich 2011 nicht damit verbracht hätte, viel zu viel zu arbeiten, wäre ich da sehr gerne hingefahren. Aber der Katalog ist ein sehr gutes Trostpflaster. Was heißt sehr gut? Grandios! Mit großem G! Nicht nur, dass meine Liste von vielen Filmen, die ich unbedingt (nochmal) sehen muss, unermesslich länger geworden ist. Auch war mir nie so richtig klar, wie wichtig Kostüme für den Charakter einer Figur sind. Am meisten ist mir das bei der Kleidung der Cowboys Ennis Del Mar und Jack Twist aus Brokeback Mountain von 2009 klar geworden. Über den Film haben sich ja viele aufgeregt, weil da zwei schwule Cowboys zu sehen sind. Wuhu! Dabei ist der viel größere Skandal, dass hier gezeigt wird, dass die Cowboys keine Heroen sind, die in den Sonnenuntergang reiten, sondern ungebildete arme Schweine, die sich für eine lächerliche Bezahlung den Hintern abfrieren. Jack Twist ist ein attraktiver, modebewusster Mann, der für einen gewissen Stil in seinem Leben steht. Ennis Del Mar ist da einfacher gestrickt. Mode scheint für ihn eher zweckmäßig zu sein. Das alles kann man schon an den Kostümen ablesen. Ohne den Film gesehen zu haben. Einfach erstaunlich. Die Texte in dem Katalog geben einen sehr detailierten Einblick in die Geschichte der Hollywood-Kostüme.

6 Gedanken zu “February Favorites

  1. The Help, Kathryn Stockett: habe ich mir letzte Woche gekauft und werde es lesen wenn ich mein derzeitiges Buch „Die Tore der Welt“ von Ken Follett zu ende gelesen habe. Da du dich für die Rassentrennung interessierst empfehle ich dir die Biographie von „Martin Luther King“ geschrieben von seiner Frau Coretta Scott King.

      1. nein leider nicht mehr. Glaube, das ist bei Bruno geblieben oder ich habe es vor vielen Jahren verliehen.

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