Ghost and the City

Am Wochenende habe ich meinen Weihnachts-/Geburtstagsgutschein in Regensburg eingelöst. Eine meiner besten Freundinnen lebt dort und hat zum Wellness-Wochenende in die Oberpfalz geladen. Und es war sehr schön! Vroni ist ein sehr interessanter Mensch, auch, weil sie so anders ist, als ich, was ja schon von vornherein für Forschungsfelder sorgt. Sie zieht zum Beispiel immer dieselbe Art Schuhe an, was für mich gar nicht in Frage kommt. Trotzdem sieht sie immer cool aus. Wir waren erst Essen in der Spaghetteria Aquino: lecker Menü mit Anitpasti, Tagliatelle mit Austernpilzen und obendrauf Tiramisu. Sehr zu empfehlen. Danach sind wir weitergezogen zum Digestif in die Apotheke und dann noch in einen Rockabilly-Schuppen, in dem irgendwie die Zeit stehen geblieben ist. Grandioso!

Erst auf dem Heimweg ist mir klargeworden, warum ich diese kleine Kneipentour so faszinierend fand. In Regensburg gibt es nämlich einen Haufen Kneipen, und zwar überall und für jeden Geschmack. Da darf man anscheinend auch noch nachts mal vor die Tür und eine rauchen, ohne dass die Nachbarn sich gleich beschweren. Erstaunlich! Das bin ich gar nicht gewohnt. Da, wo ich wohne, da macht man das nämlich nicht. Nicht mal, wenn man wollte. Weil da, wo ich wohne, da gibt es keine Kneipenlandschaft. Ich würde das eher einzelne Oasen in einer kalten, aber sehr sauberen Wüste nennen.

Seit einem Jahr lebe ich wieder in Freising. Ich bin hier aufgewachsen. Mir hat es hier immer gut gefallen. Jetzt wohne ich hier mit meinem Liebsten. Da er hier arbeitet, und München dank Zugverbindung nicht weit ist – kein Problem. Mit knapp 46.000 Einwohner ist Freising wohl ein mittleres Städtchen. Hier gibts einen romanischen Dom, der von den Gebrüdern Asam im Barock renoviert wurde, ein Residenzschloss, das seltsamerweise Kardinal-Döpfner-Haus heißt, die Isar und ihre Auen und eine Innenstadt, die Potential hat. Leider scheint das aber keiner der Stadtpolitiker zu kapieren. Denn im Moment fehlen eigentlich nur noch die verdorrten Büsche, die über die Hauptstraße wehen, um die kulturelle Dürre dieser Stadt zu verdeutlichen. Jetzt macht dann auch noch das Kino zu, weil das Gebäude abgerissen wird. Echt jetzt?

Freising und sein Kino – das ist eine Soap, die schon lange läuft. Am Willen der Betreiber lag es nicht, aber ansonsten an allem. Deswegen kam erst ein Kino nach Erding und dann eines nach Neufahrn. Die Freisinger werden jetzt bald Kino-Asyl im Umland beantragen müssen, wenn sie abends mal nicht daheim absacken wollen. Denn hier geht man in die Kirche und dann ins Bett.

Seit einem Jahr haben wir einen jungen Bürgermeister: Tobias Eschenbacher. Ich habe den gewählt, weil es mir gefallen hat, dass er sich nicht alles gefallen lässt. Aber bisher hat er nicht viel gerissen. Vielleicht liegt das auch an dem Amt. Sein Vorgänger war ja auch nicht als Spaßkanone bekannt. Aber ich hoffe jetzt einfach mal  ganz stark, dass er als 33-Jähriger auch noch gerne ein paar Mal ins Kino gehen will, und dafür nicht irgendwo hinreisen muss.

 

 

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