„Shut up and play the Hits“

Lange hat es gedauert, aber verlernen kann man es nicht: Am Wochenende war endlich mal wieder Kitchenclub angesagt. Diese Tradition begann 2002, als meine Freundin Susi und ich in der gleichen Situation waren: Kerl. weg. Katastrophe! Hier wurde der Grundstein gelegt zu dem Notprogramm, das von da an immer auf dieses Ereignis folgen sollte. Krisensitzung in der Küche (Freising, Langenbach, Freising, Erding, München; 2002 – 2013). Zigaretten, Alkohol, große Fragen, noch größere Antworten. Obwohl die Gründe für diese Zusammentreffen eher unangenehm, waren die Abende, die sich daraus durchaus ergeben haben, legendär. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was so entscheidend an diesen Abenden war: Alle Teilnehmer haben sich der Situation ehrlich gestellt – und sich dabei natürlich auch sehr leid getan hat. Wer bin ich? Was will ich? Was ist die Liebe? Liebe ich mich selbst? Was macht mich glücklich? Womit will ich die kommenden acht Stunden pro fünf Tage des Rests meines Lebens verbringen? Solche Fragen kann man sich nicht ständig stellen. Ein gewisses Maß an Verdrängung der eigenen Persönlichkeit hilft einem, nicht dauerhaft deprimiert zu sein. Aber dann und wann ist es eben wichtig, dem Geist eine Möglichkeit zur Karthasis zu bieten. Die ehrliche Reflexion über einen selbst in einem leicht hysterischen Umfeld hat mir schon oft den Mut gegeben, die Dinge loszulassen, unbekanntes Terrain zu betreten.

Daher haben mir die Dinge, die James Murphy, Gründer der New Yorker Band LCD Soundsystem, über sich und seine Situation gesagt hat, sehr imponiert. Als er die Band 2001 mit über 30 gründete, wollte er keine Konzerte und Tourneen spielen, sondern in den Clubs. Dort, wo die Leute neben ihm tanzen und nicht vor ihm rumstehen und ihn anstarren. Zehn Jahre später beschloss er, die Band aufzulösen. So viel Spaß im dieses Projekt gemacht hat, so sehr hat es an seinem Körper gezerrt. Zudem seien andere Wünsche in ihm gereift, die sich nicht verwirklichen lassen, wenn er dafür nicht frei ist. Ihm sei klar, dass die Band noch viele gute Jahre vor sich habe, trotzdem sei jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür. Dinge loslassen – aber Hallo!

„Shut up and play the Hits“ heißt die DVD, die das letzte Zeugnis der Gruppe darstellt. Auf den drei DVDs sieht man zum einen das letzte Konzert im New Yorker Madison Square Garden, zum anderen eine Dokumentation, die Murphy während der letzten Tage der Band zeigt. James Murphy bewohnt eine Wohnung, die ich sofort leerkaufen würde: ein weißer Retrowecker mit Holzerverkleidung und einer Klappanzeige, unverputzte Ziegelwände, ein Wandregal mit quadratischen Fächern, die mit Platten gefüllt sind. Sogar die französische Bulldogge war süß.

Die DVD kam vor kurzem nach einer Odysee von Paketverwirrung und noch größerer Adressenverwirrung endlich an. Wenn das kein Grund für einen Kitchen Club ist?! Stilecht hat der Ehemann natürlich leckeren italienischen Gemüseschmortopf gekocht, während ich die guten Gin Tonic gemixt habe. Bombay Gin und Gurke – wenn das kein guter Aperetif, Dazwischen-tif und Digestif ist, dann weiß ich es auch nicht. Erst haben wir die Dokumentation angesehen mit diesem wundervollen Interview, in dem einerseits der Journalist Chuck Klostermann sehr interesssante Fragen stellt und andererseits Murphy noch spannendere Antworten gibt. Natürlich haben wir nicht nur intellektuell anspruchsvoll das Interview geschaut, sondern auch drei Stunden lang extreme Dance-Action produziert. In diesem Sinne: „We won’t be your babies anymore!“

Wer einen Vorgeschmack haben will, bitte hier:

und hier

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