How to be Good

Wie ist man ein guter Mensch ohne ein Gutmensch zu sein? Diese eher globale Frage beschäftigt mich in bestimmten Abläufen meines Lebens immer mehr. Eine Freundin von mir ist seit einigen Jahren überzeugte Vegetarierin. Wir diskutieren über dieses Thema immer mal wieder. Denn die Frage ist, wie man eine persönliche Entscheidung in sein Leben integriert, die einschneidende Konsequenzen für den Ablauf des Alltags haben. Diese Veränderungen führen dazu, dass man diese Tatsache des öfteren kommunizieren muss, da sie ja zum Alltag gehört. Die Folge davon ist, dass man sich oft dafür rechtfertigen muss. Ist halt schwierig normal zu sein, wenn die Normalität sich partout in keine Schublade begeben will.

Ich bin ein Egoist. Ganz klar. Ich stehe in allem an erster Stelle, da ich ja auch mein ganzes Leben mit mir verbringen muss. Daher versuche ich natürlich, alles was mich umgibt und betrifft so zu regeln, dass ich gut dabei wegkomme. Damit es mir gut geht, brauche ich bestimmte Umstände im Leben: meinen großartigen Ehemann, meine Freundinnen, meine Familie, meine Wohnung, meine Arbeit, meine Zeit. Ich sorge dafür, dass sich diese Zutaten immer wohlfühlen und von mir umsorgt werden, denn dann gehts mir gut. Ich bin also ein Egoist, der seinen Altruismus für die eigenen Zwecke nutzt. Daher fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass andere aufgrund meiner Entscheidungen ein schlechteres Leben führen müssen.

Seit ich im vergangenen Jahr diese Kleidungstest gesehen habe, bei dem H&M, KIK und Co unter die Lupe genommen wurden, lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Mir war zwar schon vorher klar, dass in der Kleidungsindustrie wie in so ziemlich jeder anderen Industrie Menschen ausgebeutet sind, aber das Messer hat erst diese Sendung bei mir angesetzt. Das scheint auch anderen so zu gehen. Denn ich lese darüber immer wieder auf verschiedenen Blogs. Die meisten finden diese Ausbeutung total schlimm, kaufen aber trotzdem noch bei H&M, Zara und Mango. Ich tue das offensichtlich auch noch, wie mein Einkaufseintrag beweist. Ich unterstütze also indirekt, dass auf der anderen Seite der Welt eine junge Frau wie ich, ihr Leben lang hart schuften muss. Diese Frau ist froh, überhaupt einen Job zu haben, aber sie wird es auch nie schaffen, genug Geld zu verdienen, um ihre Situation zu verbessern.

Das passt mir nicht. Ich habe fünf Wochen im Leben ohne Bezahlung gearbeitet in einem Praktikum. Es gab gute Gründe, das trotzdem zu machen, aber es gab auch ebenso viele gute Gründe sich dagegen zu wehren, dass andere mit meiner Gratisarbeit Geld verdienen. Es stört mich bis heute, dass ich für meine Leistung keine angemessene Entlohnung bekommen habe. Gleichzeitig sorge ich aber dafür, dass es anderen so geht. Das passt nicht zusammen. Die einzige Konsequenz dessen kann sein, dass ich solche geradezu ekelhaften Machenschaften nicht mehr unterstütze. Es gibt ja mittlerweile genügend Alternativen, die nachhaltig produzieren lassen und trotzdem bezahlbar sind.

Vor ein paar Wochen habe ich aufgehört, Mehlprodukte zu essen. Ich hatte jahrelang unspezifische Magenschmerzen – nichts für eine glückliche Egoistin. Die erste Zeit war das hart, keine Brezen, kein Brot, keine Nudeln, nichts, das mit irgendeiner Art von Mehl in Berührung kommt. Auf der anderen Seite geht es mir heute körperlich so gut, wie schon lange nicht mehr. Und ich vermisse nichts. Im Gegenteil, ich lerne lauter neuer Lebensmittel kennen. Ich denke, so wird es mir auch mit der Kleidung gehen. Denn auf Mode zu verzichten kommt für mich nicht in Frage.

Nachhaltige Shops:

http://www.peopletree.co.uk/

http://www.avocadostore.de/

howtobegood

PS: Der Titel meines Artikels bezieht sich auf das gleichnamige Buch von Nick Hornby von 2001. Darin erzählt der Londoner die Geschichte der Ärztin Katie, die sich von ihrem Mann David trennen will. David ist ein sehr sarkastischer Mensch, der eine Kolumne schreibt, die „Der zornigste Mann von Holloway“ heißt. Katie ist davon überzeugt, die Gute in der Beziehung zu sein. Bis David einen Guru kennenlernt, bei ihnen daheim aufnimmt und so gut wird, dass es fast nicht zu ertragen ist. Hervorragend!

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