Karl Friedrich Schinkel: Ein Mann mit großen Ideen

Eigentlich bin ich ja kein Fan des 19. Jahrhundert. Die Phase zwischen dem Klassizismus und Historismus törnt mich eher ab. Karl Friedrich Schinkel gehört wie Leo von Klenze und überhaupt alle Künstler des 19. Jahrhunderts nicht zu meinen Favoriten. Grob gesagt galt es damals als schick, sich Elemente aus allen vergangenen Stilen zusammenzusuchen, durchzumischen und abzubilden. Was dabei rauskommt, haut mich nicht vom Hocker. Die Bilder und Gebäude wirken dadurch seltsam distanziert. Denn es sind eben keine mittelalterlichen Szenen, gotischen Schlösser oder im schlimmsten Fall Mischformen aus allem. Die Dinge werden mit soviel Theorie aufgeladen, dass sie dadurch seelenlos werden. In der Neuen Pinakothek hängen lauter solche Bilder: riesengroße Schinken voll mit Menschen, die zwar mittelalterlich gekleidet sind, aber trotzdem viel zu neu wirken. Da ich die Karte aber geschenkt bekommen habe, und die Austellungen in der Hypohalle eigentlich immer ganz gut sind, bin ich doch hingegangen. Und und 120 Minuten später wieder angenehm überrascht wieder rausgegangen. Ich bin zwar immer noch kein Fan des 19. Jahrhunderts, aber dafür einer von Schinkel. Es ist nicht übertrieben, wenn der Katalog der Ausstellung Schinkel ein Universalgenie nennt.

Vor allem bin ich beeindruckt davon, welchen Willen Schinkel hatte. Geschenkt wurde ihm der Erfolg nicht. Da Schinkels Vater früh starb, musste seine Mutter für das Fortkommen der Kinder sorgen. Schinkel ging ohne Abschluss vom Gymnasium ab und schrieb sich an der neu gegründeten Berliner Bauakademie ein. Diese sollte er später mit seinen Ideen von einer Architektur, die zugleich schön, bedeutungsvoll und praktisch ist, bis heute prägen. Zudem war er mit dem damaligen Stararchitekten Friedrich Gilly befreundet, was ja grundsätzlich nicht schadet. Schinkel reiste viel durch Europa. Allerdings immer etwas abseits vom Touristenstrom. Dadurch fand er viele versteckte Orte, die er begeistert abzeichnete. Seine Karriere begann er als Kulissenmaler beim Theater. Solche Skizzen sind auch in der Ausstellung zu sehen. Am besten hat mir die Halle der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte gefallen. Wahrscheinlich auch, weil ich vor kurzem zum ersten Mal den Film Amadeus (1984, Regisseur: Milos Forman) gesehen habe. Und da spielt die Szene aus der Oper genau vor dieser Kulisse. Natürlich gibt es auch die zahlreichen Architekturmodelle Schinkels zu sehen, aber wie gesagt: Not my style! Dafür wusste ich aber nicht, dass Schinkel auch Innenarchitekt war und vom Trinkbecher bis zum Bett alles selbst designt hat. Und da sind ein paar echt schicke Teile darunter.

Die Ausstellung läuft noch bis 12. Mai.

Mehr Informationen bitte hier:

http://www.hypo-kunsthalle.de/newweb/schinkel.html

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