Über Gipfel

Ich sitze gerade in Francavilla al Mare am Strand, habe Schnupfen und freu mich trotzdem hier zu sein: Das Geräusch der Wellen, die ans Ufer schlagen, ein sich stetig veränderndes, aber konstantes Rauschen beruhigt mich zutiefst. Ich nutze diese Urlaube eigentlich nur dafür, das Lager in meinem Gehirn wieder mit diesem Geräusch aufzufüllen.

Zur Zeit empfinde ich alles als etwas seltsam. Das liegt vor allem daran, dass ich meine Einstellung zum Rest meines Lebens gerade ändere und nicht weiß, inwieweit ich diesen Prozess aktiv steuere, und was davon passiv oder aufgrund äußerer Umstände passiert. Sehr theoretisch ausgedrückt, aber genauso abstrakt fühle ich mich auch in den Momenten, in denen ich nichts tun muss. Wie bereits erwähnt, häufen sich diese Augenblicke, seitdem ich mein Studium im Januar beendet habe. Natürlich arbeite ich, eh klar. Und in dieser Zeit empfinde ich mich auch am richtigen Platz. Allerdings gibt es andere Zeiten, in denen ich sehr ruhig bin, einfach weil in mir drin eine Leere ist, die ich zwar nicht als negativ empfinde aber als extrem seltsam schon.

Bisher habe ich immer auf etwas hingearbeitet: auf die Noten, auf einen Steg, der mich über die Untiefen der Scheidung meiner Eltern führt, auf genügend Geld, um endlich ausziehen zu können, auf mein Jahrespraktikum bei der Zeitung, auf die Verlängerung ebendieses, auf ein Auto, das mich dann am Ende mehr als nur Nerven gekostet hat, auf die Volontärsstelle, auf Hans, der es dann am Ende doch nicht konnte, auf mein Studium, auf das Ende des Studiums. Jetzt bin ich an diesem Punkt angekommen, und ich weiß nicht, ob ich mir noch ein neues Ziel setzen will. Nicht, dass meine Methode nicht erfolgreich wäre. Ich kann mich quälen, den Mut nicht verlieren und Opfer bringen auf meinem Weg. Aber warum sollte ich das jetzt noch tun?

Die Dinge, die mir wirklich etwas bringen, für die musste ich noch nie etwas opfern. Im Gegenteil. Zudem weiß ich auch nicht, was ich als nächstes auf den Berggipfel legen soll, um mich wieder hochzukämpfen. Eigentlich gefällt es mir genauso wie es ist. Ich bin das nur nicht gewohnt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s