Angela, James and Kelly

Es ist mal wieder Zeit für’s Museum. Zwei Ausstellungen, die mir in letzter Zeit sehr gut gefallen haben: Paper Weight im Haus der Kunst und Taschen im Bayerischen Nationalmuseum. Beide beschäftigen sich mit Gesellschaftsfragen, die ja auch immer etwas mit Ästhetik zu tun haben. Der eigenen und der der Massen.

15 Magazine, die seit 2000 erschienen sind, präsentiert die Ausstellung im Haus der Kunst noch bis 27. Oktober. Alle sind verlagsunabhängig und mit echtem Herzblut geschaffen worden. Das Spektrum reicht vom Einrichtungsmagazin, Mode, Essen bis hin zu Homosexualität und Transsexualität. Kein Magazin will Mainstream sein. Einige wurden sogar eingestellt, weil sie zu beliebt geworden sind. Obwohl ich diese Geste etwas zu dramatisch finde. Jede Zeitschrift hat eine eigene Stellwand, die aussieht wie eine aufgeschlagenes Magazin. Auf der Vorderseite sieht man ein Cover sowie die Fakten und Mediadaten. Auf der Rückseite werden die Themen präsentiert. Beim „Candy“-Magazin (mit James Franco auf dem Cover, sogar als Drag sehr sexy!) ist das zum Beispiel ein Bildschirm, der Zusammenschnitte der letzten Inhalte des High-Gloss-Transsexual-Magazines zeigt. Die meisten Zeitschriften werden in New York bzw. den USA produziert, es gibt aber auch deutsche Magazine wie 032c oder brasilianische wie „EY! Magateen“, das auf den ersten Blick wirkt, wie eine selbstgebastelte Schülerzeitung. Vielleicht ist das auch naheliegend, da sich der Inhalt mit männlichen Teenagern und deren teilweise sehr homoerotischen Selbstpräsentation auseinandersetzt. Mir gefällt „The Gentlewoman“, die in Reaktion auf „Fantastic Men“ entstanden ist. Frauen sind eben Dandy und Candy, das hat ja schon Marlene Dietrich bewiese. Zudem sieht Angela Landsbury auf dem Cover echt abgefahren aus. All diese Magazine wurde von Menschen gegründet, die sehr optimistisch und auch ein wenig blauäugig an die Sache herangegangen sind. Das haben die meisten zumindest in der Diskussionsrunde vor der Eröffnung erzählt. Sie beweisen damit, dass Print wohl erstmal nicht stirbt, das die Inhalte aber anspruchsvoller werden – müssen. Zudem sprechen all diese Magazine von einer bestimmten Sehnsucht und Einstellung zum Leben, die ich nicht gut in Worte fassen kann, die mich aber sehr anspricht.

Ein bißchen weniger philosophisch aber nicht weniger schön ist die Taschen-Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum, die ebenfalls noch bis 27. Oktober läuft. Sechs Worte sollten genügen: Taschen vom 16. Jahrhundert bis heute. Glückshormone ohne Ende! Mir war nicht bewusst, wie stark sich Designer heutzutage auf Entwürfe der vergangenen Jahrhunderte beziehen. Kann ich gut verstehen, den die Formensprache, die Stoffe und die Machart sind wirklich superb. Eine Brieftasche aus dem 18. Jahrhundert würde auch heute noch sehr gut in meine Handtasche passen. Wobei ich gegen eine Kelly-Bag von Hermes auch nichts einzuwenden hätte. Hingehen und verlieben!

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