Grenzüberschreitung

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie klar man die Dinge sieht, kaum, dass man selber nicht mehr drin steckt. In diesem Jahr freue ich mich seit März über jeden Tag. Denn im Gegensatz zu 2012 bin ich nicht überfordert, gestresst und am Limit. So krass, wie eben beschrieben, war es wahrscheinlich erst in der Höchstphase der Magisterarbeit plus Vollzeitjob von Juli bis September. Aber die Nachwirkungen dieser Anstrengung habe ich noch bis weit in dieses Jahr gespürt.

Eine meiner liebsten Freundinnen steckt gerade in der Endphase ihrer Dissertation. Sie hat dafür sogar unseren gemeinsamen Kurzurlaub storniert. Mir ging es letzten August auch so. Während meine Lieben an den Gardasee gedüst sind, war ich zehn Tage allein daheim und habe versucht, mal wieder zu schlafen. Diese kleine, aber höchst wirkungsvolle Erholungsphase, war mir nicht mehr vergönnt. Nach drei Stunden bin ich jede Nacht aufgewacht.

Meine Freundin arbeitet jetzt also bei größter Hitze Tag und Nacht an diesen 200 Seiten Papier. Interesse, Neugier oder sogar Spaß sind hier schon lange nicht mehr entscheidend, hier regiert nur noch der absolute Wille und die Disziplin. So sehr ich auch den Hut vor dieser Leistung ziehe, so ungerecht ist die Sache. Nach drei Jahren Arbeit bringt man so eine Aufgabe gefälligst zu Ende, das ist klar. Aber: Warum fällt es einem so leicht, sich weit bis über die Grenze zu pushen und so schwer, zuzulassen, dass man die Dinge langsam angeht, die Zeit genießt, die ja sowieso vergeht?

In meinem Fall spielt die Erziehung eine große Rolle. Mir wurde eben beigebracht, dass man Leistung bringen muss. Nicht im Stile eine Drill-Sergants – wirklich nicht. Aber die Sache wurde irgendwann zum Selbstläufer. Ich kann mich quälen ohne Ende. Jede noch so zähe, komplizierte oder langweilige Aufgabe bringe ich zu Ende. Zum größten Teil sind das auch alles Dinge, die auf meinem Mist gewachsen sind.

Im Grunde sind das ja keine schlechten Eigenschaften, im Gegenteil, oftmals bringen sie einen weiter und helfen einem auch durch schwierige Passagen des Lebens. Auf der anderen Seite gewöhnt man sich so schnell daran, dass unangenehm gleich richtig ist und dass angenehm dann eben gleich falsch ist.

Da bin ich dann wieder froh, dass das Leben ein einziger Lernprozess ist. Jetzt habe ich 28 Jahre gelernt, wie man die eigenen Grenzen immer weiter schiebt, jetzt werde ich eben 28 Jahre lernen, wie man den ganzen Raum, den man dadurch gewinnt, auch genießt.

Damit fange ich heute gleich an und fahre mit meinem Bruder nach Venedig.

Last year in August I was totally stressed out. I had to work very much and also finish my Magisterarbeit. It was awful. At one Point I could not sleep anymore, which was nervewrecking. But still I found the strength to pull myself together. Although this is something good it also is something really bad.

One of my dearest friend is finishing her Doktorarbeit at the moment. She has to work day and night because time is running and she had no real help from her professor. Interest or fun in this work have Long been replaced by discipline. Which is great. But why is it so much easier to push oneself beyond the border instead of enjoy the room that you made because of that? It is something I still dont understand but see much clearer now that I am no longer part of it.

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