Wie man sich 17 Grad weihnachtlich redet

Ich bin ein großer Weihnachtsfan. War ich schon immer, werde ich auch immer sein. Ich liebe die Wochen vor dem 24. Dezember, wenn die Wohnung schön dekoriert wird, Platzerl gebacken und verzerrt werden, den Schnee und die Kälte. Dazu kommt, dass mein derzeitiger Zustand mir erlaubt, wegen jedem kitschigen Scheiß sofort zu weinen. Herrlich! Da braucht es nur ein paar Takte „Winter Wonderland“ und mir werden die Augen feucht. Außerdem kommen im Dezember ja immer die dämlichsten Liebesfilme im Fernsehen, und dieses Jahr kamen mir die gerade recht. Allerdings muss ich zugeben, dass es selbst mir schwer fällt, in Weihnachts-Fahrt zu kommen, wenn es draußen so warm ist, dass ich mir überlege, welchen Lichtschutzfaktor ich auflegen soll, wenn ich mich auf den Balkon hocke. Für so viel Selbstbetrug reichen selbst Schwangerschaftshormone nicht.

Daher habe ich meine Weihnachtsgefühle in diesem Jahr komplett auf den Abend verlegt. Da dieser im Dezember schon um 16 Uhr beginnt, war genügend Zeit für häusliche Schwelgereien. Meine liebste Tante lädt mich jedes Jahr zum Weihnachtsbasteln ein. Diesen Brauch habe ich nie einschlafen lassen, denn Basteln finde ich spitze. Das hat einen ähnlichen Effekt auf mich wie Bügeln – es beruhigt mich. Wie dem auch sei, diesmal standen Fenstersterne, Ornamente und Weihnachtsengel auf dem Programm. Da ich mit 28 Jahren scheinbar alt genug bin, habe ich diesmal auch eine Heißbklebepistole bekommen. Zum Platzerlbacken habe ich diesmal meinen Bruder und mein liebstes Wiesel verdonnert. Da sie Biotechnologin ist, schien sie mir die richtige Wahl und mein Bauch hat mich nicht getäuscht – auch wenn der im Moment nicht nur mir gehört. Sieben Sorten habe ich ihnen aufgetragen, und die haben sie auch brav gerührt, geknetet, gestochen, geschnitten und bestrichen.

Wer bis hierher durchgehalten hat ohne den leisen Verdacht, dass ich mich in einen kleinen Hausfrauenzombie verwandelt habe – für den jetzt das besondere Schmankerl zum Schluss: In diesem Jahr habe ich dem Ehemann, dem Bruder und der Schwägerin Mützen und Schals gestrickt. Allerdings natürlich total cool und hip und so mit Strick- und Häkelnadeln in XXL. Deswegen ging das auch so schnell, denn die Dinger sind so groß, dass selbst ein Elefant mit Sehschwäche ohne Probleme 24 Maschen rechts stricken könnte.

So, jetzt ist aber auch wieder gut. Aber ihr wisst ja, nach Weihnachten ist vor Weihnachten!

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