2013

Wie kommt das nur, dass die Zeit immer schneller vergeht, je älter man wird? Als Kind hat es immer ewig gedauert, bis endlich der 24. Dezember da war oder der Geburtstag oder die Ferien. Und jetzt hat man den Gedanken noch gar nicht fertig formuliert, da ist der Monat schon wieder vorbei. Ein Grund ist sicherlich, dass man als Erwachsene viel mehr zu tun hat – arbeiten, nach der Arbeit noch schnell einkaufen oder Sport oder im Moment essen und schlafen. Da bleibt kein Platz für Langeweile. Wirklich schade, da Langeweile immer noch die schönsten Ideen geboren hat. Als fleißige Blog-Leserin folge ich jetzt einfach dem Trend und setze für 2013 ein paar Schlaglichter.

Schönster Moment:

Der schönste Moment hat für mich im ersten Blick gar nicht so ausgesehen. Der fand an einem Samstag im Juli auf dem Bürobad statt, zehn Minuten bevor ich professionell im Museum stehen musste. Da kann man sagen: „Warum suchst du dir auch so einen Moment aus? Wart halt bis du daheim bist!“ Dem Kritiker kann ich nur antworten: „Vollkommen richtig!“ Aber wer mich kennt weiß, dass ich Überraschungen nur unter Schmerzen herauszögern kann. An Heilig Abend hätte ich beinahe losgeschrien, weil der Schwiegervater immer weiter Fleisch ins Fondue gehalten hat, während ich schon seit 20 Minuten zum Baum und den Geschenken laufen wollte. Wie auch immer; die 60 Sekunden, die ich gebraucht habe, um zu verstehen, dass der zweite Strich auf dem Test nicht verschwindet und dass ich jetzt neun Monate nicht mehr allein bin, das war mein schönster Moment. Obwohl ich erstmal hektisch vor Emotionen übergelaufen bin. Kann man aber nachvollziehen, wenn einem klar wird, dass da jetzt ein Mensch im eigenen Bauch hockt.

Noch ein schönster Moment:

Das Ende meines Kunstgeschichtsstudiums im Januar. Nach vier Wochen Martyrium voller Wein, Zigaretten und Verzweiflungstränen hinter Stapeln von Katalogen, war es endlich vollbracht. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie man nach fünf Jahren lernen feststellt, dass man ziemlich viel nicht weiß. Aber das macht nichts. Ich mache einfach weiter – was ich aber vermissen werde, sind die Diskussionen mit Gleichgesinnten. Nicht, dass meine Freunde vollkommen uninteressiert sind, aber so richtig fabulieren kann man eben nur mit jemand, der denselben Quatsch auswenig gelernt hat wie man selbst.

Schlimmster Moment:

Ist Verdrängung nicht etwas herrliches? Entweder es ist tatsächlich nichts schlimmes passiert oder ich habe es schon wieder vergessen. Ziemlich schlimm war allerdings, als ich zwei Tage vor der Prüfung für ein Thema, dass ich nie, also nicht mal peripher auf dem Schirm hatte, festgestellt habe, dass in der verdammten Bibliothek ein verdammter Idiot den verdammten Katalog nicht an seinen verdammten Platz gestellt hat. Hab ihn am nächsten Tag gefunden und natürlich auch gleich versteckt. Verdammt! Ich bin einfach nicht besser wie alle anderen!

Anderswo als daheim:

War ich 2013 nicht ganz so häufig und heftig wie sonst. Mein Abbruzzentrip Anfang Mai mit meinem liebsten Kumpel war genau das, was ich gebraucht habe. 700 Kilometer radeln machen jeden Kopf wieder klar. Dazu Inselleben am verwaisten Campingplatz – passt. Auch die vier Tage Florenz mit der liebsten Freundin waren groß und artig. Nicht nur, weil wir die absolut schönste Boutique ever entdeckt haben. Die Reise nach Lissabon im Juni mit meinem Liebsten war natürlich mehr als denkwürdig. Da hatte ich auch meinen letzten Rausch, der war auch schön. Im August war ich mit meinem Bruder in Venedig. Er hat nach wie vor meinen vollsten Respekt dafür, dass ich ihn 20 Stunden durch die Biennale jagen durfte. Tiefste Verachtung hat diese %&$“&/()$“§$&  von Frau, die mir auf dem Bahnhofsklo meine neue geschliffene Sonnenbrille geklaut hat.

Bestes Essen:

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten, denn mein Ehemann kocht wirklich immer ganz hervorragend. Sehr gut gemundet haben mir die kreolischen Spezialitäten im Makassar in München. Außergewöhnlich war die japanische Küche im Emiko. In Lissabon gab es auch einige sehr leckere Stationen.

Unterhaltungsprogramm:

In diesem Jahr habe ich zahllose Stunden bösen Männern dabei zugesehen, wie sie sich zugrunde gerichtet haben. Tony Soprano hat dabei als Vater dieses Genre in der Serie Sopranos schon sehr gut gezeigt, wie man ein richtiger Soziopath ist. Walter White aus Breaking Bad steht ihm da in nichts nach. Bei beiden Serien war ich ehrlich gesagt froh, dass sie irgendwann vorbei waren. Dieses Zeug geht mir im Moment zu nahe, und die beiden sind sowas von perfide, dass es kaum auszuhalten ist. Lena Dunham und ihren Girls sei Dank habe ich dann gelernt, dass Frauen auch echt fies – vor allem sich selbst gegenüber – sein können, die reden dann nur mehr drüber. Neu entdeckt habe ich die Krimis von Friedrich Ani. Er hat eine sehr schöne Art, mit der Sprache zu malen. Seine Fälle zeichnen sich nicht durch Brutalität sondern durch die allgemeine Surrealität des Lebens aus. Deswegen durften seine Bücher neben denen meiner Lieblingsautorin Fred Vargas einziehen. Musiktechnisch haben mich in diesem Jahr Daft Punk, Janelle Monae, Babyshambles und Iron&Wine sehr beeindruckt. Auch der Soundtrack von Girls und The Great Gatsby sind immer wieder auf der Playlist gelandet. Ausstellungstechnisch gefallen mir die beiden Austellungen der Sammlung Goetz sehr gut – und das sage ich nicht nur, weil ich da angestellt bin. So much I want to Say im Haus der Kunst und Happy Birthday! 20 Jahre Sammlung Goetz sind beide unterhaltsam ohne trivial zu sein.

Mode und Beauty:

Ich habe 2013 viel darüber nachgedacht, wie ich dafür sorgen kann, dass möglichst wenig Leute unter meinen Mode- und Beautywünschen leiden müssen. Und damit meine ich keine Tränenausbrüche aufgrund gewagter Outfits. Nachdem mir schnell klar geworden ist, dass ich rein mit Fairtrade nicht durchkommen werde, habe ich beschlossen, einfach nur noch dann zu kaufen, wenn ich davon überzeugt bin, dass das Teil wirklich gut ist. Wenn es dann auch noch fair hergestellt wurde oder gar selbst gemacht ist – umso besser. Der Preis spielt dann eine untergeordnete Rolle. Bisher hat das ganz gut geklappt. Die schönsten Outfits folgen unten… Zudem habe ich beschlossen, mir nicht mehr die Haare zu färben. Das schaut nach ein paar Wochen immer grünlich oder gräulich aus. Jetzt habe ich nach über zehn Jahren einfach wieder meine eigene Haarfarbe. Die nervt mich komischerweise gar nicht. Ich bin immer noch auf der Suche nach einem Deo, das frei von Aluminiumsalzen ist. Aber ich gebe nicht auf!

2014:

In ein paar Wochen werde ich 29 Jahre alt und ein paar Wochen danach werde ich Mama. Das sind die Randfakten, die ich jetzt schon abstecken kann. Ich bin gespannt, aufgeregt und ängstlich – aber nur ein bißchen. Ich habe mir nichts vorgenommen außer einer Sache: Durchatmen ist dem Durchdrehen vorzuziehen. Das ist ja abstrakt genug fomuliert, um es auf diverse Situationen anzuwenden.

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