Mama Mia!

Der Herbst ist meine liebste Jahreszeit. Das Licht hat dann diesen rötlichen, fast schon dämmrigen Schimmer. Die Blätter färben sich, die Luft riecht nach welkem Laub. Herrlich! Dieses Jahr habe sehr viel Zeit im Freien verbracht, da ich ja schon im Februar in Mutterschutz gegangen bin. Es ist wirklich schön da draußen! Spazieren gehen ist ja der Hit bei Mutter und Kind, und so pflügen Anton und ich jeden Tag durch die Straßen und Waldwege auf der Suche nach dem nächsten schönen Flecken. Anton ist mittlerweile im siebten Monat, hat vier Zähne und arbeitet an der eigenständigen Fortbewegung. Er schläft tagsüber mal mehr oder weniger kurz – ist aber ansonsten quietschfidel. Trotzdem: Boah ey, ich bin müde, das ist anstrengend! Das muss ich jetzt mal sagen, um mir selbst den Heiligenschein, der durch-und-durch-Mutter abzunehmen. Der passt mir nämlich gar nicht. Ich bin wirklich keine heilige Mutter. Im Gegenteil. Wie oft ich in den letzten Monaten genervt war, von mir, meinem Kind, meinem Mann – meine Güte – genug Stoff für 1000 Stunden Soap Opera. Trotzdem möchte ich nicht jammern. Sonst glaubt mir keiner, wie viel Spaß das macht und wie oft mir das Herz übergeht, wenn mein Kind mich angrinst und dann schön mit der Hand in den Bananenbrei patscht.

Ich bin wirklich sehr froh, dass ich nicht alleine bin. Gleichberechtigtes Kinder-Großziehen bedeutet aber – und dabei muss ich mich sehr oft selbst ermahnen – dass ich Manu die Dinge so machen lasse, wie er es denkt. Das fängt beim Wickeln an und hört beim Mund abwischen auf. Stichwort: Rumzupfen! Ich dachte immer, dass Manu und ich eh schon viel miteinander reden, aber oft ist es notwendig, noch mehr und genauer zu erklären, was man meint. Wir haben oft nicht die Nerven, auch noch zwischen den Zeilen zu lesen. Das passiert, wenn man sieben Monate nicht mehr durchschläft. Auf der anderen Seite tut es auch unglaublich gut, die Verantwortung teilen zu können. Und hier ziehe ich den Hut vor all den Alleinerziehenden Müttern da draußen. Wie ihr das schafft, keine Ahnung! Aber ich liege euch zu Füßen.

Im September waren wir drei Wochen im Urlaub. Familienurlaub! Wir waren erst für eine Woche in Südtirol, danach am Comer See und die letzten sieben Tage haben wir bei La Spezia/Cinqueterre verbracht. Am besten hat es uns in Südtirol gefallen. Wir haben in der Nähe von Meran gewohnt. Die Gegend ist unglaublich gut erschlossen für Wanderer, unglaublich gepflegt und die Leute sind unglaublich nett. Bin ich jetzt endlich ein Spießer geworden? Na dann ist ja gut. Da wir diesmal ein Baby mit an Bord hatten, sind wir von unserer üblichen Reiseroutine abgewichen.

  • Wir sind mit dem Auto gefahren. Obwohl ich kein Baby kenne, dass gerne sieben Stunden in der Schale sitzt, ist es praktisch, wenn man den ganzen Scheiß einfach nur ein- und ausladen muss, anstatt ihn von einem Zug zum nächsten zu karren. Und als stillende Mama muss man nicht ständig eine abgeschiedene Bank suchen.
  • Diesmal haben wir hier unsere Apartments gebucht. Der Kontakt war schnell hergestellt und die Vermieter sehr nett. In unserer dritten Maison stand sogar ein selbst gebackener Kuchen als Empfangskomitee bereit! Anton hat das gut getan, dass das Zuhause sich nicht zu oft verändert hat. Obwohl er einen vierten Wechsel wohl nicht mehr so gut vertragen hätte. Zudem kann man in einer Ferienwohnung selbst kochen, mit dem Kind spielen und hat ein bisserl seine Ruhe, wenn der Bub mal etwas lauter weint.
  • Wer eine Waschmaschine in der Wohnung, muss auch nicht soviel einpacken: Jeder von uns hatte Klamotten für sieben Tage dabei, für Anton hatte ich noch Windeln, zwei Schlafsäcke, Krabbeldecke und drei Spielsachen dabei. Eine Babytrage – welche auch immer – ist sehr zu empfehlen. Italien ist voller holperiger Feldwege und Treppen.
  • Wir haben jeden Tag etwas unternommen, aber nicht wie früher sieben Sachen am Tag sondern sieben Sachen in sieben Tagen. Aber von der Wanderung bis zum Museum war alles mit dabei.

Ebenfalls raus aus der Urlaubsroutine ist Ausschlafen, drei Flaschen Wein trinken und bis vier Uhr früh bei einer Zigarette philosophieren. Dafür habe ich aber viele ältere Ehepaare gesehen, die bei einem Spritz im Cafe saßen und sehr glücklich ausgesehen habe. Das ist dann wohl die Zukunft, dann kann man sich doch mal freuen. Wir haben dafür am Strand gesessen, Anton hat sich die Sandkörner zu Gemüte geführt und ich mir das Meeresrauschen. Und das hat mich sehr glücklich gemacht. Denn so ein kleiner Mensch macht einem klar, wie besonders solche Dinge sind, vor allem wenn man sie das erste Mal erfährt.

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2 Gedanken zu “Mama Mia!

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