Schamlos glücklich

Ich gebe es ja zu, ich bin ein etwas verkopftes Wesen und oft auch erschreckend naiv. Allerdings kann ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen, auch wenn es oft etwas dauert, bis ich verstehe, woher der Wind weht. Es grummelt also in den Tiefen meiner Seele und in Momenten körperlicher Erschöpfung fallen dann die Mauern. Das sind zwar immer recht anstrengende Zeiten, weil so intensiv. Aber danach fühle ich mich wie neugeboren.

Anton ist jetzt 16 Monate alt. Mein Leben ist seit 24 Monate nicht mehr mein altes. Aber bis vor einiger Zeit hat es sich auch nicht wie mein neues angefühlt. Ehrlich gesagt war ich einfach konstant überfordert. Ständig habe ich mich hinterfragt, alle Entscheidungen nochmal überdacht. Ich war gereizt, vor allem gegen andere, die mir gute Ratschläge zu allerlei Ungefragtem gegeben haben. Innerlich bin ich richtig aggressiv geworden. Obwohl ich das gut kaschieren kann – die meisten sehen ja eh nicht richtig hin und Manu liebt mich, ist also einiges gewohnt – hat Anton dem Spiel schnell ein Ende gesetzt. Er hat angefangen, sich seine Liebeseinheiten bei Manu abzuholen. Zeit für eine Notbremse und eine selbst verordnete Kur auf dem Balkon.

Ergebnis dieser Selbstbetrachtung: Wenn mein Traum die 10 ist, bin ich auf Stufe 7. Aber ich traue mir nicht. Ich bin ein disziplinierter Mensch, damit gleiche ich viele Schwächen aus. Meine Stärke ist, meine Erfahrung zu nutzen. Mami zu sein, damit hatte ich aber bis vor 16 Monaten keine Erfahrungen. Theoretisch habe ich vieles schon gewusst, aber emotional verstehen kann ich es erst jetzt. Daher sind Ratgeber und perfekte Übermütter die falsche Medizin für mich. Überall sind diese Mamis, denen zwei Minuten nach der Geburt schon wieder die Skinny-Jeans um die Hüften schlappert und die alles organisiert bekommen in 24 Stunden – das verwirrt mich. Ich bekomme die meisten Sachen nur unter großen Anstrengungen hin und mittlerweile lasse ich vieles auch einfach stehen, weil ich keine verdammte Medaille bekomme, wenn ich diese To-Do-Listen abarbeite. An allem klebt diese unauthentische Maske – anstrengend. Eine Familie zu sein, ein Kind zu haben; das macht einen zum ehrlichsten Menschen. Was ist so schlimm daran, glücklich zu sein, traurig zu sein, müde zu sein, gelangweilt zu sein, überfordert zu sein, verliebt zu sein? Man muss es ja nicht gleich auf die Nase binden. Aber dieses Rumgefake macht doch ganz gaga.

PS: Die passende Serie für ein bisschen mehr Ehrlichkeit.

Shameless

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