Übergänge

Jetzt sind wir fast vier Wochen zu viert. Ich hatte mich schon auf das Schlimmste eingestellt: Eifersuchtsszenen, Krankheiten, Bauchwehattacken, Tränen. Bisher gibt es aber eher lachen, kuscheln und knutschen.

Es ist doch so: Das erste Kind muss zurückstecken, wenn zwei da sind. Dafür hatte es etwas, dass sein Geschwisterchen nie haben wird: Exklusive Mama-Papa-Zeit! Das zweite Kind hat dafür gechilltere Eltern, die nicht bei jedem Hüsterchen angerannt kommen. Als Anton etwa vier Wochen alt war, bin ich das erste Mal alleine Auto mit ihm gefahren. Natürlich hat er geschrien wie am Spieß. Und ich bin schier ausgerastet, mir standen die Tränen in den Augen, meine Brüste sind ausgelaufen und ich habe laut „Der Kuckuck und der Esel“ gesungen, um mich und ihn zu beruhigen. Verkehrsrisiko Hilfsausdruck! Gestern war ich das erste Mal mit Carla alleine im Auto. Gleiche Situation, aber ich bin ruhig geblieben. Natürlich hat sie mir Leid getan. Aber wenn ich angehalten hätte, hätte ich ja alles nur verlängert.

Carla ist ein sehr entspanntes Mädchen. Wenn sie mal wach ist, kuckt sie rum, gurrt und möchte unterhalten werden. Anton interessiert sie sehr. Er benimmt sie ihr gegenüber  auch am normalsten. Carla ist für ihn einfach ein kleiner neuer Mensch, aber sonst nicht anders als ich oder Manu. Sie schläft viel, vor allem, wenn alle da sind und ordentlich was los ist. Dafür bin ich so dankbar. Vor allem wenn ich den Bericht von Isabel von Little Years lese, muss ich sagen: Hut ab und tiefsten Respekt vor dieser Leistung. Das muss man erstmal aushalten, dass ein Kind nicht richtig ankommt und zur Ruhe findet – und dabei immer noch so gepflegt aussehen. Kompliment!

Anton ist bis auf seine Willst-Nicht-Attacken immer noch ein goldiger und lustiger Kerl. Er ist schon froh, dass die Mama jetzt wieder alles machen kann. Und ich bin es auch. Dank der schnellen Geburt bin ich schon in der ersten Woche wieder am Spielplatz gewesen; Rutschen, schaukeln, wippen – alles kein Problem mehr. Anton geht Montag bis Donnerstag zur Tagesmutter. Oft hole ich ihn ab, aber die Omas stehen auch an festen Tagen bereit. Dadurch haben Carla und ich viel Tochter-Mutter-Zeit. Ich kann den Haushalt machen und bin dann nachmittags nur noch für Anton und Carla da.

Das Wochenbett ist bei mir diesmal sehr kurz ausgefallen. Obwohl ich körperlich schon sehr fit bin, kann ich trotzdem viel besser zulassen, auch mal was stehen zu lassen. Lieber liege ich mit meiner Tochter eine Stunde im Bett. Die Elternzeit ist so kurz und in nullkommanix bin ich wieder in der Arbeit.

Alle haben mir gesagt, dass der Übergang von einem Kind zu zwei Kindern krass ist. Anton ist eigentlich wie immer. Zähneputzen, Schlafen oder Windeln wechseln mochte er vorher auch schon nicht. Aber seit Carla da ist, kann ich seinen Kreischattacken leichter beikommen. Das zweite Kind relativiert die Sorgen um das erste auf ein Normalmaß.

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2 Gedanken zu “Übergänge

  1. Es kommt auf das Kind und die Erziehung an, wenn das Kind merkt das du nach wie vor für ihn Zeit findest, dann wird er meist zufrieden sein und dir das Leben nicht schwer machen. Sicherlich kommt das Eifern ab und dann, warte wenn die Kleine anfängt beweglicher zu werden und die Welt zu erkunden, dann suchen die Großen doch mehr die Aufmerksamkeit, aber auch das ist gut zu handhaben.
    Unsere Große hat unsere volle Aufmerksamkeit, wenn die Kleine an Mittagsschlaf macht oder Abends früher wie die Große zu Bett geht. Das gefällt ihr gut….. hoffe das hält an.

    1. Ja, ich denke auch, dass das der Weg in die richtige Richtung ist. Da werden bestimmt noch viele Situationen kommen, in denen erstmal ich lernen muss, wie ich damit umgehen will. Hui. Aber ich hoffe, dass dauert noch ein bisserl 🙂
      GLG Kathi

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