One, two, three and me

Als ich heute mit vollgespucktem T-Shirt versucht habe, alle Kinder nach Hause zu bringen, da dämmerte es mir: Dieser Ausnahmezustand ist der Normalzustand. Jeden Tag beginnt er wieder von vorne, dieser große Versuch, lässig und entspannt zu bleiben im Angesicht der Kinder, der Wäscheberge, der Mahlzeiten. Und wenn mir dann doch die Kontrolle entgleitet (als ob ich sie jemals hätte, muhaha), steigen meine Neurosen aus ihren Schachteln, und ich versuche, irgendeine Art von Kontrolle wiederzuerlangen. Das ist wie früher bei der Matheschulaufgabe; erstmal mit der leichtesten Aufgabe beginnen statt mit der schwersten. Denn von einem kleinen Erfolg hangelt man sich zum nächsten.

Hier kommt meine Liste der Dinge, die ich kontrollieren kann:

Gerätschaften

Wir leben in Freising. Eine schöne, kulturell etwas langweilige Stadt mit vielen Hügeln, die sich wie Berge anfühlen, wenn man Kinder daran hochschiebt. Daher war mir schnell klar: Ein neuer Kinderwagen muss her. Er muss wendig und leicht sein, mindestens zwei Passagiere aufnehmen können, durch die meisten Türen passen und gute Bremsen haben. Es gibt ja verschiedene Arten, zwei Kinder gleichzeitig zu transportieren. Ich wollte die Kinder nebeneinander haben und nicht hintereinander und da ist der Porsche unter diesen Kleinwagen ja auf jeden Fall der Bugaboo Donkey. Da wir für Anton schon einen teuren Kinderwagen gekauft haben (Brio Go, heute Britax Go Big – echt das beste, was ich je in der Hand hatte), wollte ich nicht nochmal im vierstelligen Bereich einkaufen. Aber wie bei den meisten Kindersachen ist der Wertverlust irgendwie gleich null. Gottseidank habe ich Babywheels gefunden. Die Firma vermietet Kinderwägen. Bis ich da im vierstelligen Bereich bin, brauche ich den Wagen nicht mehr. Alle haben einen Sitz-, Steh- oder Liegeplatz. Und das ist das einzig Wahre, wenn alle erledigt sind und nach Hause wollen.

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Uniform

Ich habe doch etwas gebraucht, bis ich die perfekte Kombi gefunden habe zum Kinderhaben. Sie ist schick und trotzdem bequem; vor allem verdeckt sie alle Ritzen, die so entstehen beim Bücken, Hopsen und Springen. Mein Kleiderschrank ist mittlerweile sehr leer, seit ich Marie Kondos Buch gelesen habe. Aber ich ziehe alles an, was drin ist. Das sind high waisted Mum Jeans von Asos, Stillunterwäsche von Anita, Stillunterhemd und ein T-Shirt. Die Jeans sind so bequem, leiern nicht aus, da habe ich sie gleich in allen Farben gekauft. Für den Sommer werden jetzt ein paar Hosenröcke einziehen. Und an die Füße kommen ein paar Birkenstock oder noch besser meine Teva-Sandalen, die machen dann auch gleich noch alle Pfützen und sonstiges mit.

Rucksack

Das ist vielleicht der wichtigste Accesoire. Ich packe in meinen Rucksack: Windeln, Feuchttücher, Desinfektionstücher, Spuckituch, Socken für mich und die Kinder, Shirt und Hose für alle drei, Getränke für alle, Gummibärli, Sonnencreme, 1-Hilfe-Tasche, Taschentücher, Geldbeutel, Handy, Schlüssel, Lippenstift, Deo, Handcreme. Ist doch eine Liste, aber ich brauche vieles fast immer. Und den Rest natürlich vor allem dann, wenn er nicht mehr drin ist.

Leere

Wir leben zu fünft auf 85 Quadratmetern. Die Kinder haben ein großes Kinderzimmer. Alles andere ist klein. Als wir eingezogen sind, hatte ich grade das Buch von Marie Kondo beendet. Wie befreiend. Nachdem ich also die richtigen Wort für den Abschied kenne, habe ich den ganzen Scheiß weggeschmissen und nie zurück geblickt. In meiner Wohnung befinden sich nur Dinge, die wir brauchen und benutzen. Im Keller auch. Alles hat seinen Platz und kann daher auch schnell aufgeräumt werden.

Ein Plan

Mein Schwiegervater sagt immer: „Man muss einen Plan haben, damit man weiß, ab wann er nicht mehr funktioniert.“ Da spricht er ein wahres Wort gelassen aus. Ich habe für alles einen Plan: Wann ich kaufe ich ein, wann ich wasche (immer), was gibt es die nächsten Tage zu essen, wann besuchen wir wen usw. Es gibt To do-Listen und Ta-Da-Listen (die für die schönen Dinge). So in den Tag reinleben, mal schauen, was so passiert, das kann ich grad gar nicht. Und den Kindern tut das sandeln auch nicht gut. Das sind meistens die Tage, an denen dann gar nichts funktioniert. Das bedeutet nicht, dass wir ständig auf Achse sind, das bedeutet nur, dass ich weiß, was wir wann machen.

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Die Geheimzutat

Und hier noch meine Geheimzutat: Lachen und Lieben! Meine Kinder und mein Mann sind so lustig und großartig und ich fühle mich geliebt. Natürlich klappt nicht immer alles, aber irgendwas klappt immer. Irgendwie schaffen wir es, nicht kollektiv durchzudrehen. Vor kurzem habe ich einen Film gesehen, der es gut zusammenfasst: Der Marsianer mit Matt Damon. Kurz gesagt sitzt der alleine auf dem Mars und versucht nicht zu sterben. Wie ich. Müsste der Mann gar nicht so weit weg fahren. Einfach mal hier im Stau stehen, alle Kinder wach, keine Getränke mehr. Auf jeden Fall: Im Film sagt er, dass er immer ein Problem nach dem anderen gelöst hat. So einfach ist das. Brilliant.

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2 Gedanken zu “One, two, three and me

  1. „Immer ein Problem nach dem anderen“ genau: sowie Bepo der Straßenfeger in „Momo“ sagt: Besenstrich für Besen strich. Am Ende hast du die ganze Straße geschafft. Ansonsten unterscheiden wir uns komplett. Die Wohnung ist voll, der Wäscheberg wächst und unser Kinderwagen ist total abgenudelt. Aber einen groben Plan für den Tag gibt es idR auch!
    Aber wo hast du im Stau denn Wasser herbekommen? Oder hast du die Stimmung durch Ablenkung vorerst retten können?

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