#stayhome2

Ich sitze am PC und trinke Bier. Herr Drosten erzählt mir was von Forschungsgeldern und die milde Frühlingsluft zieht durch das Fenster. Manu ist unten und bändigt die Maßen. Auch diese, zweite Woche ist nun vorübergezogen. Sie war ein bißchen weniger ferienmäßig wie die erste, aber trotzdem sehr gut und sehr anstrengend.

Die Kinder sind jetzt in einem Status angekommen, den frühere Generationen immer als freie Kindheit beschreiben. Sie machen viel unter sich aus, sie suchen sich ihre Abenteuer, mit dem Unterschied, dass sie das im Haus und nicht in der Nachbarschaft erledigen. Unser Tag ist jetzt sehr strukturiert. Es gibt feste Zeiten für freies Spiel, für Fernsehen, für die Vorschule, für Sport, für Süßes. Jeder weiß, was von ihm erwartet wird. Es gibt aber auch viel mehr liebe Worte, liebe Gesten und es gibt es neues Lebensmotto:

Geduld ist die Kunst, erst spät wütend zu werden.

Japanisches Sprichwort

Anton hatte diese Woche Geburstag. Als wir ihm zwei Tage vorher erklärt haben, dass niemand kommen wird, dass nur wir alle hier feiern werden, war er ziemlich wütend und traurig. Ich konnte es ihm so gut nachfühlen. Ich liebe Geburtstage: Alle sind da, es ist was los, es wird gefeiert. Diesmal hatten wir viel Zeit. Es gab auch mehr Geschenke als ursprünglich geplant. Aber wir konnten alles gut anschauen und gleich damit spielen und es aufbauen. Anton fand es am Ende dann doch ganz gut, dass es so war. Und wir auch.

Überhaupt finde ich es wirklich erstaunlich, wie sehr die Kinder runterfahren. Nicht falsch verstehen, hier brennt täglich die Hütte. Aber das Gefühl ist ruhiger, der Takt ist langsamer. Auch bei mir. Prä-Corona hatte ich immer Druck: Druck, dass ich mehr machen müsste, erfolgreicher an meiner Karriere schrauben sollte, Druck noch dies und das zu machen. Und jetzt ist mir die Ruhe quasi staatlich verordnet. Das hat meinen inneren General ganz schön runtergeschraubt. Dieser erzwungene Blick nach innen erlaubt mir, endlich ein paar Themen anzugehen, die ich schon lange auf der Liste habe. Zum Beispiel mich stärker abzugrenzen, die Kinder besser darauf aufmerksam zu machen, dass ich auch Pausen brauche. Mehr um Hilfe zu bitten. Aber auch endlich diesen verdammten Keller zu organisieren, damit ich da unten nicht immer Stunden verbringe etwas zu suchen, aber auch die Kinder davon abhalte, mir hinterherzurennen. Jetzt ist alles an Ort und Stelle, jetzt kann die Karawane mir folgen.

Trotz allem Guten macht sich diese ständige Zuständigkeit bei mir bemerkbar. Ich bin jetzt nicht der Mensch, der in Panik gerät. Situationen dieser Art machen mich eigentlich sehr ruhig. Trotzdem habe ich wieder verstärkt Momente, in denen mein Herz stark zu klopfen beginnt und in denen mein Fluchtreflex einsetzt. Solche Zustände habe ich früher mit einem kinderfreien Wochenende kuriert. Jetzt höre ich mir abends Regenschauer auf Spotify an und versuche alle Gedanken in mir wegzuspülen.

In diesem Sinne: Gute Nacht und bis nächste Woche :X

Unsere Woche in Bildern:

Antons Geburtstag war das Highlight.
Die Freunde haben ihre Geschenke vor der Tür deponiert.
Diese ferngesteuerte Riesenspinne hätte es Prä-C bestimmt nicht gegeben. 😉 Aber sie sorgt hier täglich für einen Riesespaß mit noch riesigerem Gequietsche und neuen Ideen, wer die wohl mal ins Bett gesteckt bekommt.
6 Jahre Elternschaft und wir sehen nur noch Rot-Grün: Mein Mit-Kapitän und Mit-Biertrinker und Herzbesitzer :X
Geburtstagständchen über alle Grundstücksgrenzen hinweg.
Während ich das Bad geputzt habe, ist das in meinem Schlafzimmer passiert: Alle Kinder saßen in meiner Bettdecke und haben Salzstangen gefuttert. Ja, wundervoll!
Tägliches Sportprogramm in rot
Scotty und Otto ausführen
Basteln
Und natürlich: Frech wie Bolle sein!

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