#stayhome3

Diese Woche hatte es in sich. Nicht wegen der Kinder, sondern wegen dem, was in meinem Kopf vorgeht: Die Angst hat sich eingestellt. Oder besser: Sie hat mir ein Bein gestellt und sich dann auf meine Brust gesetzt.

Dabei geht es mir daheim eigentlich sehr gut. Die Kinder und ich sind ein wilder Haufen. Wir schreien viel rum, tatsächlich aber mehr aus Jux als aus Zorn. Ich habe aufgehört, so viel zu nörgeln. Ob das jetzt daran liegt, dass ich mir selbst nicht mehr dabei zuhören möchte oder ob das ein persönlicher Rückzug vom Schlachfeld ist, wer will das schon so genau wissen.

Die Kinder haben sich jetzt zwei Wochen lang runtergefahren und diese Woche wieder hochgefahren. Die Grenzen sind neu abgesteckt und die Nischen des kleinen Wahnsinn sind ins schier Unendliche gewachsen. Ich putze den halben Tag die Wohnung und Rosi beklebt den frisch geputzten Boden mit Knete. Da werde ich doch nicht schimpfen! Da schalt ich die Kaffeemaschine ein und klau mir einen ihrer Schokobons. So schauts aus.

Aber. Ein großes ABER, das da jetzt kommt. Wenn ich das Haus verlasse, klammert sich ein großes schwarzes Etwas an meinen Brustkorb und lässt nicht mehr los. Ich kurve in betrunkenen Schlangenlinien durch den Supermarkt, versuche den Leuten auszuweichen, die Waren nur mit Fingerspitzen zu berühren, mir mit meinen Handschuhen nicht durchs Gesicht zu fahren, das natürlich wie die Sau juckt und dann kommt da dieser alte Mann. Er steht da und sagt: „Sind Sie jetzt auch eine von den Hysterischen?“ Und ich antworte nichts sondern flüchte. Ich beende meinen Einkauf mit angehaltenem Atem und muss im Auto erstmal die Arme hochwerfen, sonst bekomme ich eine Panikattacke.

Ich kenne mich. Ich kenne diese Zustände, wenn ich mit etwas konfrontiert werde, dass ich nicht einordnen kann, zu dem ich noch keinen Standpunkt, keine korrekte Verhaltensweise gefunden habe. Dann taumle ich durch die Gezeiten, anstatt dass ich mein Schiff selbst lenke. Aber diese Situation ist so abstrakt. Diese Furcht vor dem Unsichtbaren ist unbegreifbar. Ich kenne niemand, der schon an Corona erkrankt ist, niemand, der daran gestorben ist. Diese Krankheit ist für mich im Moment noch so abstrakt wie der Rassismus mancher Leute. Existenziell und flüchtig wie ein Geist zugleich. Und deshalb auch so gefährlich. Ich weiß, dass sich das bald ändern wird. Dieser Virus wird auch uns bald umkreisen, obwohl wir so abgeschottet leben, wie wir es auch sollen. Aber zur Zeit kann ich dieses ewige „bleib gesund!“ nicht mehr hören. Im Gegenteil: Ich möchte schreien: „Nein, ich will es endlich hinter mich bringen! Hinter diese Barriere kommen, die Krankheit ertragen und dann immun sein, verdammt nochmal!“ Oder sagen wir besser, das will meine Seele. Mein Geist hält mich am Boden, meine Vernunft, meine persönliche Informationskultur, mein Professor Drosten von Montag bis Freitag.

Heute morgen war es schon besser, da saß die Angst nicht mehr auf meiner Brust, sondern stand neben mir an der Kaffemaschine. Ich habe ihr auch einen rausgelassen. Da ich sie ja nicht vertreiben kann, fange ich also an, mit ihr zu leben. Und am Wochenende schneide ich meinen haarigen Monstern von Kindern die Haare. Die sollen schließlich auch was zum fürchten haben. 🙂

PS: Mittlerweile weiß ich auch die Antwort für den feinen Herren im Supermarkt: „Ich bin hysterisch, das ist mein Recht, das müssen sie aushalten. Allerdings bin ich mehr für sie hysterisch als für mich. Ich halte drei Tage Beatmungsmaschine durch, sie nicht!“

Unsere Woche in Bildern:

Anton wollte seinen Turbobesen auffrischen, diesmal mit Spinnen, die er von seinen Bestimmungskarten abgemalt hat.
Papa hat auch etwas dazu beigetragen.
Carla hat sich auch einen Rennbesen gebasteltet mit Glitzer, Schmucksteinen und laminierten selbstgemalten Blumen.
Der neue und verbesserte Stanio Kasi in Anlehung an den Turbobesen von Schubia Wanzhaar (Bibi Blocksberg).
Erster Probeflug von Stanio Kasi und Gänseblümchen.
No caption necessary
Wieso sind Kinder eigentlich so kräftig?
Rosi!!!!
Ach du meine Güte, diese zwei Herzchen!
Rosi hat natürlich auch einen Besen bekommen.
Oma kommt auch mit ins von Rosi erfundene Boot!
Anton auch!
Die schwer vermissten Freunde bekommen Post.
Wenn die Angst mir schon auf der Brust sitzt, dann sollte sie wenigstens gut dabei aussehen.
Soulfood ala Kasdandler, Metzgerei Hack, Metzgerei Boneberger, Bäckerei Geisenhofer und Früchte Schweiger. Alle liefern!!!
Anton bastelt sich selbst einen Tulpenring.
Dubai Skyline ala Kapla
Wir hängen jetzt unsere Kunstwerke in den Baum, dann haben alle was davon.

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