#stayhome6

Ich starte diesmal mit etwas wirklich Lustigem, das den Kindern sehr viel Spaß gemacht hat und auch nur fünf oder zehn Minuten gedauert hat. Es geht eigentlich ganz einfach. Die Erwachsenen zoomen im Wohnzimmer und die Mädchen spielen im Kinderzimmer unter dem Tisch Friseur. Hahahaha. Obwohl ich sagen muss, dass Carla sich einen echt guten Haarschnitt verpasst hat: Sie trägt jetzt einen kurzen, asymetrischen Bob und schaut aus wie eine Punkprinzessin. Die sie wahrscheinlich auch ist; Dornröschen in Bikerboots. Auf jeden Fall war sie not amused, dass ich gelacht habe, als ich sie gesehen habe. „Mama, mir gefällt meine Haare. Ich finde das blöd, wenn du und der Papa dann lachen.“ Hat sie Recht, ich habe sofort zur Strafe gleich noch eine Spritz getrunken.

Ansonsten muss ich gestehen, dass ich heute einen ersten Moment der tiefen Müdigkeit hatte. Nicht, weil ich zu wenig geschlafen habe. Ausnahmsweise mal nicht. Ich war heute morgen dieser täglichen Wiederholung müde, drei Kinder dazu zu bringen, sich anzuziehen, die Zähne zu putzen, die Haare zu kämen. Ich hätte gerne ein paar Tage Pause. Einfach nicht die ganze Zeit die Verantwortung tragen, mal die eigenen Gedanken zulassen und auch zuhören können. Das ist natürlich Jammern auf hohen Niveau. Ich habe aber kein anderes und ich kann und will mein Leben auch gar nicht tauschen. Vielleicht ist es auch die Aussicht, dass es bis September keine Pause geben wird. Und auch das ist nur so eine Zahl. Wir haben im September noch keinen Impfstoff und selbst wenn, wären noch nicht alle geimpft. Dafür geht dann aber die Erkältungssaison wieder los. Vielleicht muss ich also ab September meinen Sohn gleich mal Homeschoolen. Jetzt wird es zu gruselig. Schnell das Thema wechseln.

Nach sechs Wochen des #stayhome #staysafe schält sich jetzt heraus, dass Familien etwas sind, das man politisch anscheinend nur sehr schwer greifen kann. Aber wie soll man etwas verstehen, das man selbst nicht erlebt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer dieser Herren und Damen die Lebensrealität in deutschen Familien erahnen kann. Die halten ja noch nicht mal Abstand, wenn sie zur ihren auf Abstand gestellten Pressekonferenzpulten laufen. Und Masken tragen sie auch nur in der Tasche, um sie dann in die Kamera zu halten. Dasselbe Bild in den Expertengruppen: Wie viele von denen versuchen Expertisen zu schreiben, während die Kinder im Hintergrund verstecken spielen oder ruhig zu bleiben, während man dem unmotivierten Kind das 7000 Arbeitsblatt schmackhaft machen will? Ich bin sehr froh, dass es trotz allem Politiker*innen gibt, die anscheinend meine Lebensrealität nicht als komplett erfunden und übertrieben empfinden und mit vernünftigen Vorschlägen wie der erweiterten Quarantäne mit anderen Familien oder dem Corona-Elterngeld kommen, um die Faktoren Lebensdruck und Arbeitsdruck etwas zu mildern.

Auf der anderen Seite bin ich auch erstaunt über diese Lockerungen. Als ob irgendetwas anderes wäre als vor sechs Wochen oder in sechs Monaten. Wir wissen immer noch so wenig über diese Krankheit, wir haben keine Heilung und trotzdem lockern wir die Maßnahmen, die ja geholfen haben, weil wir uns das nicht leisten können. Wenn wir uns das nicht leisten können, dann Gnade Gott den Menschen in Afrika und Indien.

Diese Krankheit ist immer noch so abstrakt für mich. Ich habe viel mehr Angst vor den Krankheiten, die meine Familie schon eingeholt haben und der Tatsache, dass meine Kinder jetzt in sämtlichen Wäldern und Isar-Gehölzen herumsteigen und den FSME-Zecken, die sich dieses Jahr über fette Beute freuen dürfen. Wir müssen dringend diese Impfungen machen. Shit!

Prof. Drosten stellt in unten verlinktem Video eine wichtige Frage: Wie wollen wir bis zu dem Zeitpunkt leben, an dem es einen Impfstoff gibt? Außerdem sagt er noch Dinge wie „es ist unerträglich, dass die Schulen und Kindergärten geschlossen sind“ und wie sehr die Wirtschaft Einfluss auf die Entscheidungen der Politik genommen hat. Wieso sagen alle, wie viel uns die Absage der Wiesn an Geld kostet? Wieso sagt man nicht, wie gut diese Entscheidung ist, weil Millionen von Menschen das Virus nicht innerhalb kürzester Zeit exponentiell verbreiten? Wieso ist Geld immer mehr wert wie Leben?

Mein Standpunkt ist mittlerweile, dass es Aufgabe der Politik ist, mich aufzuklären und alle Weichen zu stellen, dass ein sicherer Umgang möglich ist. Also z.B. die Schulen mit einem verbindlichen Konzept zur Hygiene etx. auszustatten. Es ist auch Aufgabe der Politik, allen unter die Arme zu greifen, die jetzt straucheln, weil es kein öffentliches Leben mehr gibt. Es ist aber nicht Aufgabe der Politik, mir zu sagen, was ich in meinem Haus tun darf und was nicht. Ich mache es auch viel lieber, wenn an meinen Verstand appeliert wird als wenn hier wieder die Lust am Denunzieren geweckt wird. Ich hoffe, dass auch weiterhin alle, um der Erhaltung unseres luxuriösen Lebens Willen, vernünftig handeln. Und ich hoffe, dass alle, die es nicht tun, sich dann auch nicht beschweren, wenn es kein Beatmungsgerät mehr für sie gibt.

Inspirationen dieser Woche_

Drosten Interview mit dem ORF vom 24.4.2020

Interview mit Grünen-Chefin Annalena Baerbock in der taz

Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bayern Katharina Schulze im BR

Das Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert Eltern-Coronageld

Unsere Woche in Bildern

Darf ich vorstellen? Punk-Prinzessin Carla
Gefolgt von dem Eiskönig Anton
Die königliche Familie hat sich neue Spielplätze erobert. Allen voran der Veterinäramt im Landratsamt Freising.
Welcome to the theatre!
Rosi versteckt sich schon sehr gut, aber Anton noch besser. Wer entdeckt ihn?
Freisinger Freiheit!

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