Neue Grenzen

Seit ich mein Studium beendet und mich daran gewöhnt habe, frei zu haben und diese Zeit nicht mit Aufgaben zu füllen, habe ich mich schon oft gefragt, wohin das alles wohl führen wird. Ohne mich wiederholen zu wollen – ich muss jetzt aber trotzdem: Ich war auf der Suche nach neuen Territorien, die ich betreten will und nicht betreten muss. Da sind dann in vielen Nächten, in denen ich nun wieder philosophieren konnte und nicht lesen oder lernen musste, die Fragen aufgetaucht, die ich schon richtig vermisst habe: Wo will ich hin? Welche Facette von mir sollte ich ausbauen, welche eher verändern? Warum bin ich hier? Was gibt es heute zum Abendessen? Seit Juli habe ich ein paar Antworten auf diese Fragen. Ich will zur Zeit meistens aufs Klo, weil eine kleine Bohne auf meiner Blase rumhüpft. Ich sollte definitiv meine Gesangs- und Vorlesekünste ausbauen, die werde ich in nächster Zeit brauchen. Daher lerne ich gerade Klassiker wie „Guten Abend, gute Nacht“, „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ oder auch „Die Gedanken sind frei“ – übrigens mein Favorit – auswendig. Ich bin hier, weil ich ein kleines Leben in mir trage und das so sicher wie möglich durch die Zeit tragen möchte. Und zum Abendessen gibt es heute Semmelknödel. Denn von meinen vielen Hobbys ist eigentlich nur das Essen übrig geblieben.

Wenn man nur noch essen kann, dann es es sehr praktisch, wenn der Geliebte Geburtstag hat und man ein Buffett kocht. Findet auch mein Bruder, gell?
Wenn man nur noch essen kann, dann es es sehr praktisch, wenn der Geliebte Geburtstag hat und man ein Buffett kocht. Findet auch mein Bruder, gell?

Alles hat damit angefangen, dass mir weder Spritz noch Zigaretten schmecken wollten – wiederholt. Um beruhigt zur nächsten Party gehen zu können, auf der ich und der Manu meinen neuen tollen Job feiern wollten, habe ich einen Test gemacht. Quasi als Erlaubnis, den nächsten Spritz ohne schlechtes Gewissen zu trinken. Das war dann zwei Minuten später erledigt, denn der zweite Strich, der wollte einfach dableiben. Meine erste Reaktion war ungläubige Panik. Die des Ehemanns auch, der acht Stunden später für ein paar Sekunden inständig glauben wollte, dass ich ihm ein Fieberthermometer schenken wollte. Was dann folgte, war zunächst mein letzter Spritz und dann Wochen, in denen ich mich gefühlt habe, als säße ich in einer Nussschale in einem Orkan. In dieser Zeit ist mir auch aufgefallen, wie sehr manche Leute stinken. Wirklich. Vielleicht sollte ich eine Petition starten, die zum  täglichen Gang unter die Dusche verpflichtet. Diese Phase habe ich nur dann Hüttenkäse, Tomaten und Dinkelzwieback sowie klug in meiner Arbeit versteckten sauren Essiggurken überlebt. Der Ehemann hat hier freudig für stetigen Nachschub gesorgt. Jetzt gehts mir hervorragend. Ich trinke sogar wieder Kaffee (also eigentlich eine Tasse Milch mit einem Schuß Kaffee, aber ich bin guter Hoffnung). Der Bohne geht es auch hervorragend. Offensichtlich ist mein Bauch ein Turnstudio, obwohl ich davon noch nichts merke. Ich bin also schon wieder drin im nächsten Abenteuer und gespannt wohin die Reise geht. Traurig ist darüber nur mein Kleiderschrank, denn ich habe jetzt alle Klamotten entfernt, die ich aufgrund der Leibesfülle nicht mehr tragen kann.

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